Americana, Ansichtkaarten, Poëzie

Muzische opsommingen

4 november 2016

Beste Jur,

Zoals je weet zijn engelen de boodschappers van God en bemiddelen ze tussen het aardse en gene zijde. Zoals ik tot voor kort niet wist zijn het er precies tweeënzeventig, althans volgens de kabbala, en hebben ze allemaal een naam. Ik kwam erachter dankzij de wereldpremière van 72 angels, een bijzonder werk voor kamerkoor en saxofoonkwartet van de Russisch-Amerikaanse componiste Lera Auerbach. Het duurde anderhalf uur en de tekst bestond uit niet meer dan die tweeënzeventig engelennamen.

Ik hou daarvan. Ik hou, zoals je weet, van opsommingen, mits ze spreken, zingen, fluisteren, flirten, prikkelen, jennen, de verkeerde kant opkijken, bedacht zijn door Borges, te lang doorgaan of naar de weg vragen. Een van mijn favoriete opsommingen is de rivierenverzameling ‘Into the dusk-charged air’ van John Ashbery, uit zijn bundel Rivers and Mountains uit 1966. Deze opsomming kan natuurlijk uitstekend in stilte worden genoten, maar klinkt naar mijn mening het mooist in de droogkomische voordracht van Ashbery zelf: geen ontkomen aan, deze pure, onzuivere, magische woordmuziek.

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1 Comment

  • Reply Jur 6 november 2016 at 21:37

    Ik was vandaag ook met engelen bezig. Der Himmel über Berlin. Hebben we die ooit samen gekeken?

    Handkes openingslied:

    Lied Vom Kindsein – Peter Handke

    Als das Kind Kind war,
    ging es mit hängenden Armen,
    wollte der Bach sei ein Fluß,
    der Fluß sei ein Strom,
    und diese Pfütze das Meer.

    Als das Kind Kind war,
    wußte es nicht, daß es Kind war,
    alles war ihm beseelt,
    und alle Seelen waren eins.

    Als das Kind Kind war,
    hatte es von nichts eine Meinung,
    hatte keine Gewohnheit,
    saß oft im Schneidersitz,
    lief aus dem Stand,
    hatte einen Wirbel im Haar
    und machte kein Gesicht beim fotografieren.

    Als das Kind Kind war,
    war es die Zeit der folgenden Fragen:
    Warum bin ich ich und warum nicht du?
    Warum bin ich hier und warum nicht dort?
    Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
    Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
    Ist was ich sehe und höre und rieche
    nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
    Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
    die wirklich die Bösen sind?
    Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
    bevor ich wurde, nicht war,
    und daß einmal ich, der ich bin,
    nicht mehr der ich bin, sein werde?

    Als das Kind Kind war,
    würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis,
    und am gedünsteten Blumenkohl.
    und ißt jetzt das alles und nicht nur zur Not.

    Als das Kind Kind war,
    erwachte es einmal in einem fremden Bett
    und jetzt immer wieder,
    erschienen ihm viele Menschen schön
    und jetzt nur noch im Glücksfall,
    stellte es sich klar ein Paradies vor
    und kann es jetzt höchstens ahnen,
    konnte es sich Nichts nicht denken
    und schaudert heute davor.

    Als das Kind Kind war,
    spielte es mit Begeisterung
    und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
    wenn diese Sache seine Arbeit ist.

    Als das Kind Kind war,
    genügten ihm als Nahrung Apfel, Brot,
    und so ist es immer noch.

    Als das Kind Kind war,
    fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand
    und jetzt immer noch,
    machten ihm die frischen Walnüsse eine rauhe Zunge
    und jetzt immer noch,
    hatte es auf jedem Berg
    die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg,
    und in jeder Stadt
    die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt,
    und das ist immer noch so,
    griff im Wipfel eines Baums nach dem Kirschen in einemHochgefühl
    wie auch heute noch,
    eine Scheu vor jedem Fremden
    und hat sie immer noch,
    wartete es auf den ersten Schnee,
    und wartet so immer noch.

    Als das Kind Kind war,
    warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
    und sie zittert da heute noch.

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